“Du sollst weita foan!”



Viele fühlen sich einfach wohler, wenn sie einer Frau in Uniform ansichtig werden. Weil so eine Polizistin nun einmal mehr weibliche Autorität und weniger Aggressivität ausstrahlt. Karin B. entwickelt allerdings inzwischen ganz andere Gefühle bei Begegnungen mit weiblichen Sicherheitsorganen. Und das, obwohl sie sich selbst im Umgang mit der Staatsgewalt als “demütige und autoritätshörige Person” beschreibt.

Das begann bereits vergangene Woche, bei einer Fahrzeugkontrolle. Eine Polizistin näherte sich dem geöffneten Fenster und begann die Amtshandlung mit den Worten: “Wie heiß ma denn?” Bei dieser Frage, wie “wir” denn heißen, verkniff sich Karin B. noch die Antwort: “Wie viele samma denn?” und die weitere Kontrolle der Fahrzeugpapiere konnte mit Anstand zu Ende gebracht werden.

Dann aber war Karin B. nur einen Tag später mit dem Auto in der Wiener Innenstadt unterwegs. Bog am Freitag gegen 15 Uhr vom Ring in Richtung Reichsratsstraße ab. B. berichtet: “Da hupft eine Polizistin auf die Straße und winkt zur Seite. Ich, guten Gewissens ? alles angegurtet, nicht telefonierend, Kindersitze drinnen ? blinke und halte auf einem freien Parkplatz.” Doch da wird sie von der Beamtin angeschnauzt: “Du, foa weita ? der hinter dir!” Da nahm sich Karin B. allerdings doch die Zeit, um einzufordern: “Könnten Sie mich bitte siezen?” Worauf es aber nur mit deutlich erhöhter Lautstärke hieß: “Du sollst weita foan!”

“Dem Stadtbild täten noch mehr Polizistinnen gut”, hieß es kürzlich auf Seite 1 des STANDARD (siehe Mehr Polizistinnen). Dem kann sich Karin B. nun nicht mehr anschließen und überlegt, Polizeipräsident Peter Stiedl einen Brief zu schreiben. Und auch, wenn die Wiener Polizei vom Ikea-Du infiltriert zu sein scheint, wird sie ihr Schreiben sicher nicht beginnen mit: “Heast Oida, wos is?” (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 31.7.2007)

Mehr Polizistinnen
Vor einer Kreuzung in Wien-Margareten: “Dann gehn S’ hoid net bei Rot, ha ha ha!”
Szene eins, vor einer Kreuzung in Wien-Margareten: Ein Fußgänger betritt den Zebrastreifen. Die Ampel schaltet auf Rot. Ein markanter VW-Golf fährt mit quietschenden Reifen auf den Passanten zu. Dieser springt gerade noch zur Seite und starrt den Fahrer entgeistert an. Der und sein Beifahrer amüsieren sich köstlich und rufen dem Geschockten noch sinngemäß nach: “Dann gehn S’ hoid net bei Rot, ha ha ha!” Ach ja, das Kennzeichen des Fahrzeugs: BP 45.

Pärchen

Szene zwei, auf einem Gehsteig in Wien-Mariahilf. Eines der auffallenden Pärchen, wie man sie jetzt immer öfter sieht, promeniert stadtauswärts. Beide haben freundliche, entspannte Gesichter. Sie erzählt ihm etwas. Er lacht. Sie bleiben stehen. Er zieht einen Ausweis, zeigt ihr Fotos. Sie lächelt entzückt. Sie kommen an einem bettelnden Kind (mit Mundharmonika) vorbei. Beide reden auf angenehm ruhige Weise minutenlang auf den Buben ein. Das Kind wendet sich danach geduckt ab. Es dürfte Respekt vor Polizeiuniformen haben.

Szene eins wäre mit einer Frau am Steuer undenkbar gewesen. Szene zwei hätte mit einem männlichen Duo so nicht stattgefunden. – Dem Stadtbild täten noch mehr Polizistinnen gut. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 23.7.2007)

Beide Storys sind unter Copyright von der Tageszeitung “DerStandard“. Veröffentlicht mit Genehmigung der Redaktion!





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kurios.at, 24. October 2006



Kategorie: Mystisch

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