{"id":122,"date":"2003-09-17T14:54:05","date_gmt":"2003-09-17T13:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kurios.at\/storys\/122"},"modified":"2008-08-19T05:32:22","modified_gmt":"2008-08-19T03:32:22","slug":"forschung-licht-auf-blinde-flecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurios.at\/storys\/122\/forschung-licht-auf-blinde-flecken\/","title":{"rendered":"Forschung: Licht auf blinde Flecken"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"storys\"><CENTER>Licht auf blinde Flecken<\/h1>\n<p><\/center><font class=\"storys\"><br \/>\n<br \/>\nIm Europ&auml;ischen Jahr der Menschen mit Behinderungen verst&auml;rken auch &ouml;sterreichische Forscher und Softwareentwickler ihre Anstrengungen, den Alltag barrierenfrei zu gestalten. Eine PC-Maus, die &uuml;ber Kopfbewegungen gesteuert werden kann, wird ebenso entwickelt wie eine Fernbedienung f&uuml;r Fenster, T&uuml;ren und Lichtschalter. <\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>Mia Eidlhuber<br \/>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Michael Busboom surft viel. Das geh&ouml;rt zu seinem Job. Seit 20 Jahren arbeitet der geb&uuml;rtige Amerikaner in der Computerbranche. Wenn er sich bei Amazon ein Buch bestellen will, dann hat er Gl&uuml;ck: Das Webdesign des weltweit gr&ouml;\u00dftes Buchshops ist so gebaut, dass seine Software damit zurechtkommt, wenn sich Busboom aber in Wien bei Pizza Flitzer eine Pizza via Internet bestellen will, hat er Pech gehabt. Diese Seite ist f&uuml;r ihn (und seine Software) nicht lesbar. Michael Busboom ist blind und Marketingdirektor der Wiener Firma &#8220;Hand- shake&#8221;, die im vergangenen Jahr die deutsche Version von &#8220;Windows-Eyes&#8221;, einer Microsoft-Software f&uuml;r blinde und sehbehinderte Menschen, auf den Markt gebracht hat.<\/p>\n<p>Was f&uuml;r den gro\u00dfen Rest der Menschheit selbstverst&auml;ndlich ist, n&auml;mlich im Internet zu surfen, wird f&uuml;r sehbehinderte Menschen erst mithilfe zus&auml;tzlicher Technologien m&ouml;glich: einem Screenreader etwa, einer Software, die Men&uuml;s oder Dialoge des PCs sowie Textinhalte von E-Mails oder Webseiten vorliest oder einer Braille-Zeile, die Textzeilen in f&uuml;r Sehbehinderte ertastbare Zeichen umsetzt. &#8220;Es ist langsam im Werden&#8221;, sagt Busboom, &#8220;dass uns der Zugang zu neuen Medien erm&ouml;glicht wird.&#8221;<\/p>\n<p>Besonders 2003, im Europ&auml;ischen Jahr der Menschen mit Behinderungen, gibt es mehrere Initiativen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die technologischen Barrieren f&uuml;r behinderte Menschen zu verringern. &#8220;Die H&uuml;rden sind noch immer enorm&#8221;, sagt Klaus Miesenberger, Leiter des Instituts &#8220;integriert studieren&#8221; an der Linzer Kepler Universit&auml;t. Damit seine Forschungsprojekte im Bereich der Behindertentechnologien in Zukunft weitergef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen, obwohl F&ouml;rdermittel an den Unis knapp sind, wurde im Fr&uuml;hjahr im Softwarepark Hagenberg das &#8220;Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur F&ouml;rderung der Integration von Menschen mit Behinderungen&#8221;, kurz KI-I, gegr&uuml;ndet. Erster Erfolg: Eine &#8220;Kopfmaus&#8221;, eine &uuml;ber Kopfbewegungen gesteuerte Maus, soll als Prototyp gebaut werden und schon bald preisg&uuml;nstig f&uuml;r Menschen mit L&auml;hmungen auf den Markt kommen.<\/p>\n<p>Steuerung entwickelt<\/p>\n<p>Die Technologien, die Behinderten helfen, erleichtern letztlich auch &auml;lteren Menschen das Leben. Genau diesen Gedanken hatten zwei nieder&ouml;sterreichische Firmengr&uuml;nder. Weil ein Onkel von J&uuml;rgen Schnabler vor zw&ouml;lf Jahren einen Schlaganfall erlitt, haben Schnabler und sein Kompagnon Hans Peter Hinterbuchinger mithilfe des Regionalinnovationszentrums Nieder&ouml;sterreich (RIZ) die Firma Mechatron auf die Beine gestellt, die in \u00d6sterreich Umgebungssteuerungssysteme vertreibt und neu entwickelt. So etwa ein einfaches &#8220;Ein-Tasten-System&#8221;, das &uuml;ber ein Pr&auml;zisionsinfrarot Schwerstbehinderten erm&ouml;glicht, mit einer Fernsteuerung mit einem einzigen Knopf vom Rollstuhl aus s&auml;mtliche Barrieren zu &uuml;berwinden und Ger&auml;te und Schalter zu bedienen: T&uuml;ren, Fenster, Vorh&auml;nge, Lichtschalter, Radio, Fernseher, Computer oder den Lift.<\/p>\n<p>Es sei nur logisch, dass gerade Behinderte oder &auml;ltere Menschen ihre Defizite an Leistungsf&auml;higkeit durch technische Hilfestellungen kompensieren. Gerade weil moderne Errungenschaften wie Onlinezeitungen, -banking oder -shops f&uuml;r sie eine wirkliche Alternative w&auml;ren. Doch selbst wenn Texte im Netz durch neue Software oder Spracherkennungsprogramme h&ouml;r- und f&uuml;hlbar werden, ist das Web noch immer ein Irrgarten: Grafiken, Bilder und Links k&ouml;nnen nicht in Blindenschrift &uuml;bersetzt werden. Die Web Accessibility Initiative (WAI) hat zwar bereits 1999 Richtlinien aufgestellt, damit barrierenfreies Surfen m&ouml;glich wird. Und auch alle EU-Staaten haben sich in der Initiative E-Europe verpflichtet, zumindest &ouml;ffentliche Webseiten f&uuml;r alle zug&auml;nglich zu gestalten. Doch kaum jemand h&auml;lt sich an die Richtlinien. Das Linzer Uni-Institut &#8220;integriert studieren&#8221; und andere Universit&auml;ten bem&uuml;hen sich in einem Netzwerk um die Umsetzung eines barrierenfreien Webdesigns.<\/p>\n<p>Genau um diese Barrieren zu umsurfen, hat sich der sehbehinderte Deutsche Joachim Frank seine &#8220;Klickblick&#8221;-Software ausgedacht. Blinde k&ouml;nnen sich hier von Sehenden quasi die Augen leihen, &uuml;ber das Web fragliche Sites zu so genannten &#8220;Blickern&#8221; schicken. Die Kommunikation l&auml;uft &uuml;ber Mikrofone oder via Chat. Die Gefahr ist aber gro\u00df, dass in der noch &uuml;berschaubaren Klickblick-Community Fragen unbeantwortet bleiben, weil gerade kein &#8220;Blicker&#8221; online ist.<\/p>\n<p>US-Forscher haben im vergangenen Jahr einen &#8220;Bildschirm&#8221; zum Tasten entwickelt. Dieser neue Prototyp soll grafische Internetseiten in Zukunft auch f&uuml;r Blinde &uuml;bersetzen helfen. Weniger komplex w&auml;re es, man w&uuml;rde sich an die Richtlinien f&uuml;r ein &#8220;Webdesign for all&#8221; halten &#8211; und Michael Busboom k&ouml;nnte sich seine Pizza bestellen.<br \/> <a href=\"http:\/\/www.softwarepark.at\">www.softwarepark.at<\/a><br \/> <a href=\"http:\/\/www.mechatron.at\">www.mechatron.at<\/a><\/p>\n<p>Gedanken werden lesbar<\/p>\n<p>Wissenschafter an der TU Graz entwickeln Hirn-Computer-Schnittstellen<\/p>\n<p>Seit einem Badeunfall konnte Thomas Schweiger nur den Kopf bewegen. Und den linken Arm, doch bisher ohne etwas greifen zu k&ouml;nnen. Durch ein an der TU Graz entwickeltes Verfahren kann der 30-J&auml;hrige nun selbstst&auml;ndig ein leichtes Glas aufheben und einen Apfel zum Mund f&uuml;hren, erz&auml;hlt Gert Pfurtscheller vom Institut f&uuml;r Biomedical Engineering an der TU Graz.<\/p>\n<p>Die n&ouml;tigen Muskeln werden durch sechs auf dem Unterarm aufgeklebte Elektroden stimuliert. Und Schweiger aktiviert das Ger&auml;t &uuml;ber einen Schalter unter seinem Ellbogen &#8211; oder aber mental, mit seinen Gedanken. Wenn er daran denkt, seinen Fu\u00df zu bewegen, werden die entsprechenden Gehirnstr&ouml;me im Beta-Bereich (20 Hertz) von zwei Elektroden erfasst und als Einschaltsignal weitergeleitet.<\/p>\n<p>Seit zehn Jahren erforscht Pfurtscheller die Steuerung von Computern &uuml;ber Gedanken. Dabei werden die Hirnstr&ouml;me per Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet, &uuml;ber spezielle Programme analysiert und die intendierte Handlung &#8220;vorhergesagt&#8221;. Ein vollkommen gel&auml;hmter Wiener kann so mit seiner Umwelt kommunizieren: Buchstabe f&uuml;r Buchstabe w&auml;hlt er per Denkimpuls aus und formt Worte. Damit die Impulse in einem f&uuml;r die Elektroden messbaren Bereich liegen &#8211; 20 bis 30 Millionstel Volt &#8211; m&uuml;ssen die Patienten monatelang trainieren. Denn ohne mentale Verst&auml;rkung ist das Signal zu schwach, so Pfurtscheller.<\/p>\n<p>Elektroden im Kopf<\/p>\n<p>Klarer wird das Signal, wenn es direkt aus dem Hirn kommt. Experimente dazu werden am US-Zentrum f&uuml;r Neuroengineering in Durham durchgef&uuml;hrt. Affen, denen Elektroden implantiert wurden, k&ouml;nnen &uuml;ber Gedanken einen Roboterarm bewegen. Dabei werden die Elektroden aber tief ins Hirn gestochen. Zwar auch mit einem Eingriff verbunden, aber weniger riskant ist das Auflegen von Elektroden auf das Gehirn, durch ein kleines Loch im Kopf. Dabei arbeitet Pfurtscheller mit der Universit&auml;t Michigan zusammen. In einem f&uuml;nfj&auml;hrigen Projekt werden Daten von Epilepsie-Patienten analysiert, denen zur Lokalisierung ihrer Krankheit Hunderte Elektroden aufs Hirn gelegt werden. &#8220;Die Vision dieser Forscher ist es, mit Gedanken einen Rollstuhl zu steuern&#8221;, erkl&auml;rt Pfurtscheller.<br \/><a href=\"http:\/\/www.dpmi.tu-graz.ac.at\">www.dpmi.tu-graz.ac.at<\/a> <\/p>\n<p><\/CENTER><FONT Size=2>Copyright by <a href=\"http:\/\/derstandard.at\" target=\"_lol\">derStandard.at<\/a> und Mia Eidlhuber, September 2003<br \/>Mit freundlicher Genehmigung von Frau Eidlhuber. Vielen Dank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Licht auf blinde Flecken Im Europ&auml;ischen Jahr der Menschen mit Behinderungen verst&auml;rken auch &ouml;sterreichische Forscher und Softwareentwickler ihre Anstrengungen, den Alltag barrierenfrei zu gestalten. Eine PC-Maus, die &uuml;ber Kopfbewegungen gesteuert werden kann, wird ebenso entwickelt wie eine Fernbedienung f&uuml;r Fenster, T&uuml;ren und Lichtschalter. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;Mia Eidlhuber&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Michael Busboom surft viel. Das geh&ouml;rt zu seinem Job. 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