{"id":200,"date":"2006-10-24T19:24:24","date_gmt":"2006-10-24T18:24:24","guid":{"rendered":"http:\/\/kurios.at\/storys\/200"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"Fernsehsender-foppt-die-Welt-mit-Nierenspender-Show","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurios.at\/storys\/200\/Fernsehsender-foppt-die-Welt-mit-Nierenspender-Show\/","title":{"rendered":"Fernsehsender foppt die Welt mit Nierenspender-Show"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"storys\"><center>Fernsehsender foppt die Welt mit Nierenspender-Show<\/center><\/h1>\n<p><font class=\"storys\"><br \/>\n<br \/>\n<b>Die erste Organspende-Show der Welt: Alles nur ein Spiel mit der Emp&ouml;rung. Der niederl&auml;ndische Sender BNN strahlte die Sendung, die international Kritik provoziert hatte, am Freitagabend aus &#8211; und verk&uuml;ndete in letzter Minute, dass die angebliche Nieren-Spenderin eine Schauspielerin ist. Nur die drei Kranken sind echt.<\/b><\/p>\n<p>Den Haag &#8211; &#8220;Wir werden hier keine Niere vergeben &#8211; das geht selbst uns zu weit.&#8221; Mit diesem Satz enttarnte Moderator Patrick Lodiers am Abend im Fernsehsender BNN das Spiel. Die als todkranke &#8220;Lisa&#8221; pr&auml;sentierte Frau, die angeblich einen Hirntumor habe, sei eine Schauspielerin. Die Enth&uuml;llung machte der Moderator erst, als sich die Frau f&uuml;r einen der drei Kandidaten als Empf&auml;nger ihrer Niere entscheiden sollte.<\/p>\n<p>Man habe die \u00d6ffentlichkeit durch den Schwindel auf die prek&auml;re Organspende-Situation hinweisen wollen, sagte der Moderator: &#8220;Wir wollten das Problem in den Fokus r&uuml;cken. Das hat funktioniert.&#8221; Die drei Kandidaten f&uuml;r die Spenderniere seien echte Kranke &#8211; und dar&uuml;ber informiert gewesen, dass in der Sendung nicht wirklich Organe vergeben werden sollten. &#8220;Wir wollten Aufmerksamkeit auf ihre Leben und ihre Probleme lenken.&#8221; Lodiers forderte die B&uuml;rger auf, die Politiker zu fragen, wie sie die Organspende-Not in Holland lindern wollen. W&auml;hrend der Sendung konnten Zuschauer anrufen und ein Formular anfordern, das sie als zuk&uuml;nftigen Spender ausweist.<\/p>\n<p>Die Ank&uuml;ndigung der Show hatte in den Niederlanden und ganz Europa heftige Diskussionen &uuml;ber moralische Standards in den Medien ausgel&ouml;st. Zuschauer sollten per SMS f&uuml;r einen Bewerber stimmen, der die Niere der Todkranken erhalten sollte, hatte der Fernsehsender BNN angek&uuml;ndigt. Die Frau werde dann mit dieser Empfehlung im Hintergrund entscheiden, wer von den drei Kandidaten ihre Niere bekomme.<\/p>\n<p>Medienminister spricht von &#8220;sagenhaftem Trick&#8221;<br \/>\n<br \/>\nDie Show folgte vor der Enttarnung des Schwindels dem bekannten Schema &auml;hnlicher Reality-Sendungen. Filme zeigten das Leben der drei Kranken und Interviews mit Angeh&ouml;rigen. Die Kandidaten mussten Fragen &uuml;ber ihr Leben und ihre Einstellungen beantworten. &#8220;Lisa&#8221; selbst erl&auml;uterte ihre Entscheidung zur Organspende genau und erz&auml;hlte von einem Freund, der an Nierenversagen gestorben sei. Zuschauer gaben per SMS ihre Stimmen f&uuml;r ihren Favoriten ab. In der n&uuml;chternen Atmosph&auml;re eines kleinen Studios wurden ab und zu die Zwischenst&auml;nde verk&uuml;ndet.<\/p>\n<p>Die drei seit Jahren nierenkranken Kandidaten Esther-Claire (36), Vincent (19) und Charlotte (29) spielten bis zum Schluss &uuml;berzeugend mit. Ihre in kurzen Filmen dargestellten Lebensgeschichten, die darin beschriebenen Einschr&auml;nkungen im Leben, ihre W&uuml;nsche und Hoffnungen &#8211; das alles sei echt gewesen, sagten sie zum Schluss. Auch engste Angeh&ouml;rige und Freunde kamen zu Wort. Alle drei haben schon Transplantationen hinter sich, die aber nicht erfolgreich waren.<\/p>\n<p>Medienminister Ronald Plasterk, der die Sendung vor einigen Tagen als &#8220;unangemessen und unethisch wegen des Wettbewerbselements&#8221; bezeichnet hatte, nannte den Scherz nach seiner Offenlegung einen &#8220;sagenhaften Trick&#8221;. BNN habe einen &#8220;intelligenten Weg&#8221; gew&auml;hlt, um Aufmerksamkeit auf den Mangel an Spenderorganen in den Niederlanden zu lenken.<\/p>\n<p>&#8220;Ich denke, das war brillant, wirklich&#8221;<br \/>\n<br \/>\nDie Patientin Caroline Klingers, die die Show in einem medizinischen Zentrum in Bussum verfolgte, lobte die &#8220;Grote Donor Show&#8221;. &#8220;Ich denke, das war brillant, wirklich&#8221;, sagte sie. &#8220;Es ist gut f&uuml;r die Publicity und es gibt keine Verlierer.&#8221; Sie habe ohnehin nicht gedacht, dass die Transplantation tats&auml;chlich stattfinde.<\/p>\n<p>Neben Medienminister Plasterk hatte auch Gesundheitsminister Ab Klink die Sendung ethisch bedenklich genannt &#8211; ein Verbot lehnten beide Minister jedoch als unangemessene Zensur ab. Ein EU-Kommissionssprecher in Br&uuml;ssel sprach mit Blick auf die Sendung von &#8220;ziemlich schlechtem Geschmack&#8221;. Abgeordnete riefen die Regierung auf, die Sendung zu stoppen. Die niederl&auml;ndische \u00c4rzteorganisation KNMG forderte ihre Mitglieder zum Boykott auf: Die von Endemol (&#8220;Big Brother&#8221;) produzierte Sendung sei &#8220;geschmacklos und nicht hilfreich&#8221;. Dar&uuml;ber, wer operiert werde, m&uuml;ssten Mediziner entscheiden und nicht die Produzenten des Senders BNN.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland gab es Kritik. &#8220;Diese Sendung ist das makabere Spiel um menschliche Not eines moralisch v&ouml;llig verkommenen Medienproduzenten&#8221;, sagte der Pr&auml;sident der Bundes&auml;rztekammer, J&ouml;rg-Dietrich Hoppe. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verurteilte die Sendung vor der Ausstrahlung: &#8220;Ich halte das f&uuml;r makaber und auch f&uuml;r eine wirkliche Missachtung der W&uuml;rde eines Kranken.&#8221;<\/p>\n<p>200 Menschen sterben j&auml;hrlich wegen Spendermangel<br \/>\n<br \/>\nBNN-Gr&uuml;nder Bart de Graaff war vor f&uuml;nf Jahren gestorben, nachdem er jahrelang vergeblich auf eine Spenderniere gewartet hatte. Der Sender verteidigte die Show tagelang gegen die Kritik: Die Sendung sei geschmacklos und moralisch fragw&uuml;rdig, &#8220;aber der enorme Spendermangel in Holland ist noch geschmackloser&#8221;, sagte BNN-Chef Laurens Drillich.<\/p>\n<p>Die Chance der drei Kandidaten, die Niere der todkranken &#8220;Lisa&#8221; zu erhalten, liege bei einem Drittel &#8211; das sei deutlich mehr als bei Patienten auf den offiziellen Wartelisten, teilte der Sender vor der Show mit. In den Niederlanden sterben j&auml;hrlich 200 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig eine Spenderniere erhalten. Die Wartezeit f&uuml;r ein lebensrettendes Organ betr&auml;gt im Schnitt mehr als vier Monate.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fernsehsender foppt die Welt mit Nierenspender-Show Die erste Organspende-Show der Welt: Alles nur ein Spiel mit der Emp&ouml;rung. Der niederl&auml;ndische Sender BNN strahlte die Sendung, die international Kritik provoziert hatte, am Freitagabend aus &#8211; und verk&uuml;ndete in letzter Minute, dass die angebliche Nieren-Spenderin eine Schauspielerin ist. Nur die drei Kranken sind echt. 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