{"id":432,"date":"2008-10-01T23:41:27","date_gmt":"2008-10-01T21:41:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kurios.at\/storys\/?p=432"},"modified":"2008-10-01T23:42:09","modified_gmt":"2008-10-01T21:42:09","slug":"kopflos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurios.at\/storys\/432\/kopflos\/","title":{"rendered":"Kopflos"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"storys\"><center>Mystischer Suizid in K\u00f6ln-S\u00fclz<\/center><\/h1>\n<p><font class=\"storys\"><br \/>\n<br \/>\n<a href=\"http:\/\/focus.de\" target=\"_blank\">focus.de<\/a> &#8211; Wenige Verbrechen verdienen das Pr\u00e4dikat ?unfassbar?. Dieses mit Sicherheit: Ein junger Mann, meldete die K\u00f6lner Polizei, habe seinen Vater erstochen und anschlie\u00dfend sich selbst ?mit einer Kettens\u00e4ge enthauptet?. Das klang schauderlich und lie\u00df auf eine tiefe menschliche Trag\u00f6die schlie\u00dfen. Nebenbei warf es eine praktische Frage auf: Wie, um Himmels Willen, kann man sich den Kopf abs\u00e4gen? W\u00e4hrend die Ermittler zum Tatablauf schwiegen, machten sich Freizeitkriminalisten im Internet so ihre Gedanken. <\/p>\n<table>\n<tr>\n<td align=\"justify\">\nM\u00f6glicherweise wollte der Herr ?das Mobiliar in Zahnstocher zerlegen und war dabei zu schwungvoll?, mutma\u00dfte jemand. Ein anderer unkte, der Sohnemann wollte dem Vater ?die neue S\u00e4ge zeigen?, rutschte dabei aus, ?und ratterdieratsch, Hals durch und Kopp ab?. Ein Dritter glaubte, das rotierende Elektroger\u00e4t lag ?auf dem Kopfkissen?, als der Mann sich zu Bett begab. Nicht nur Laien hatten Schwierigkeiten, den Ablauf der bizarren Tat ernsthaft zu rekonstruieren. Auch Rechtsmediziner, durchaus mit vielen Spielarten der kunstvollen Selbstt\u00f6tung vertraut, standen vor einem R\u00e4tsel.\n<\/td>\n<td align=\"right width=\"220\">\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kurios.at\/storys\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/fichtenmopperl.jpg\" alt=\"\" title=\"Kreiss\u00e4ge\" width=\"200\" height=\"138\" class=\"alignnone size-medium wp-image-434\" \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Normalerweise kommt eine Motors\u00e4ge lange vor dem Abtrennen des Kopfes zum Stehen. Denn durch den Halseinschnitt werden lebenswichtige Gef\u00e4\u00dfe zerst\u00f6rt. Das Opfer verliert das Bewusstsein, der Druck seines Fingers auf den Schalthebel schwindet. Auf welch virtuose Weise der Suizident diese Grunds\u00e4tze aushebelte, will die Staatsanwaltschaft K\u00f6ln ?aus Piet\u00e4tsgr\u00fcnden? nicht sagen. Immerhin stellte die Beh\u00f6rde das heikle Thema der wissenschaftlichen Aufarbeitung anheim. K\u00f6lner Rechtsmediziner gaben nun auf dem Jahreskongress ihrer Zunft in Dresden Details der Tat zum Besten und dozierten unter anderem \u00fcber die spezielle ?Morphologie der Wundr\u00e4nder?. Aus Sicht der Mediziner stellt die Selbstk\u00f6pfung eine ?Rarit\u00e4t? dar.<\/p>\n<p>Gewiss gab es immer wieder F\u00e4lle, in denen Menschen ihren finalen Abgang h\u00f6chst kreativ gestalteten. Man denke an den Kannibalenfall von Rotenburg, als ein Mann sich feierlich von seinem Geschlechtsteil verabschiedete. Auch unter Zuhilfenahme von Bolzenschussger\u00e4ten oder selbst gebauten Fallbeil-Anlagen machte sich schon so mancher Zeitgenosse endg\u00fcltig vom Acker. Die fachgerechte Dekapitation mittels Motors\u00e4ge freilich war noch niemandem so recht gelungen.<\/p>\n<p>Der Weltpremiere gingen monatelange Planungen voraus. Der 24-j\u00e4hrige Peter T. lebte zusammen mit seinem Vater Eberhard im K\u00f6lner Stadtteil S\u00fclz. Am 7. Mai 2007 fesselte er den 70-J\u00e4hrigen an Beinen und H\u00e4nden mit Kabelbindern und stach ihm ein Messer mehrmals in den Hals. Anschlie\u00dfend pr\u00fcfte er, ob seine Selbstt\u00f6tungsmaschine funktioniert, was im Nachhinein eindeutig mit Ja zu beantworten ist.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td align=\"left\" width=\"240\">\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kurios.at\/storys\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/feuerwehr-motorsaege.gif\" alt=\"\" title=\"Feuerwehrmann mit einer Motors\u00e4ge\" width=\"228\" height=\"200\" class=\"alignnone size-medium wp-image-433\" \/>\n<\/td>\n<td>\nDer Mann hatte an der Baumarkts\u00e4ge zugkr\u00e4ftige Metallfedern befestigt, die Federn wiederum verankerte er in einer Holzplatte. Er konnte die S\u00e4ge hochklappen, die Federn zogen sie wieder nach unten. \u00dcber eine Zeitschaltuhr regelte er die Stromzufuhr f\u00fcr das Ger\u00e4t. Den Schaltknopf fixierte der Lebensm\u00fcde in der ?Ein?-Position.<\/p>\n<p>Nachdem er seinen Vater umgebracht hatte, legte sich Peter T. r\u00fccklings auf den Boden. Die Zugfedern pressten ihm das noch ruhende S\u00e4geblatt an die Gurgel. Als die Zeitschaltuhr den Strom schlie\u00dflich freigab, fra\u00dfen sich die Z\u00e4hne in den Hals und durchtrennten ihn in Sekunden. Weil er sich auf diese Weise der Strafverfolgung dauerhaft entzog, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren (Az.: 91 Js 121\/07) wegen der Ermordung des Vaters beizeiten ein.\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Dass der 24-J\u00e4hrige nicht nur handwerklich begabt war, sondern auch beneidenswert angstfrei, bewies die chemisch-toxikologische Untersuchung. Die Obduzenten fanden ?keine Anhaltspunkte? daf\u00fcr, dass der Mann beim Todeseintritt unter Einfluss von Drogen oder Medikamenten stand.<\/p>\n<p>Seinen Platz in der rechtsmedizinischen Fachliteratur d\u00fcrfte der kopflose Heimwerker sicher haben. Die Fraktion der Internet-Kommentatoren w\u00fcrdigte den Fall bereits als ?Kn\u00fcller?. Zu toppen w\u00e4re das Beispiel wohl nur durch eine Enthauptung ?mit der Laubs\u00e4ge?, meinte ein Schreiber. Und f\u00fcgte hinzu: ?Nat\u00fcrlich handbetrieben.? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mystischer Suizid in K\u00f6ln-S\u00fclz focus.de &#8211; Wenige Verbrechen verdienen das Pr\u00e4dikat ?unfassbar?. Dieses mit Sicherheit: Ein junger Mann, meldete die K\u00f6lner Polizei, habe seinen Vater erstochen und anschlie\u00dfend sich selbst ?mit einer Kettens\u00e4ge enthauptet?. Das klang schauderlich und lie\u00df auf eine tiefe menschliche Trag\u00f6die schlie\u00dfen. 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