{"id":78,"date":"2002-01-20T13:54:05","date_gmt":"2002-01-20T12:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kurios.at\/storys\/78"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"Wo-die-Sprichwoerter-herkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurios.at\/storys\/78\/Wo-die-Sprichwoerter-herkommen\/","title":{"rendered":"Wo die Sprichw\u00f6rter herkommen"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"storys\"><CENTER>Wo die Sprichw\u00f6rter herkommen.<\/h1>\n<p><\/Center><font class=\"storys\"><br \/>\n<br \/>\n(?2002 <a href=\"http:\/\/www.orf.at\">ORF ON<\/a>) &#8211; Sie sind fixer Bestandteil der Alltagssprache, kaum einer kommt ohne sie aus, vielen bereiten sie gute Dienste: Der Alltag,<br \/>\ndie Werbung, die Politik sind voll von griffigen Redensarten und Phrasen unterschiedlichster Provenienz.<BR><P>Ihr<br \/>\nurspr&uuml;nglicher Gehalt und ihre Herkunft sind aber nur wenigen ein Begriff.<BR><P><b>Gute W&uuml;nsche ohne Sinn?<\/b><BR><br \/>\nSo hat wohl jeder den g&auml;ngigsten aller Silvesterw&uuml;nsche f&uuml;r einen &#8220;guten Rutsch&#8221; noch im Ohr und assoziiert damit in der<br \/>\nRegel gerne &#8220;rutschiges&#8221; Eis und Schnee.<BR><P>Doch wie viele Redewendungen im Deutschen hat dieser Ausdruck seine Wurzeln im<br \/>\nJiddischen und damit im Hebr&auml;ischen: &#8220;Rosh&#8221; (woraus Rutsch wurde) hei&szlig;t n&auml;mlich auf Hebr&auml;isch &#8220;Kopf&#8221; und<br \/>\n&#8220;Anfang&#8221;.<br \/>\n<BR><P><br \/>\n<b>Vom &#8220;Hals- und Beinbruch&#8221;<\/b><br \/>\n<BR><br \/>\nUnd auch wenn es manchmal ganz einfach scheint, liegt man doch g&auml;nzlich<br \/>\nfalsch: Der Ausdruck &#8220;gut betucht&#8221; kommt nicht etwa von &#8211; feinem &#8211; Tuch. &#8220;Betucht&#8221; ist vom ebenfalls hebr&auml;ischen Wort f&uuml;r &#8220;sicher, zuverl&auml;ssig&#8221; abgeleitet: &#8220;batuach&#8221;.<\/p>\n<p><BR><P>Auch das viel beschworene &#8220;Hals- und Beinbruch&#8221; ist nicht die Gru&szlig;formel<br \/>\nder Orthop&auml;den &#8211; mehr dazu in &#8220;Reicher Fundus: Jiddisch&#8221;.<BR><P><b>Vermeintlicher Unsinn<\/b><BR><P>Nicht selten verbergen sich hinter Redensarten ganze Anekdoten und beispiellose Begebenheiten, die den vermeintlichen Unsinn der Phrase erst entr&auml;tseln.<br \/>\nAndere Redensarten sind der Literatur entlehnt &#8211; mehr dazu in &#8220;&#8216;Mein Name ist Hase'&#8221;.<BR><P><b>Im Wandel der Zeit<\/b><BR><P>Meist<br \/>\nist aber einfach die urspr&uuml;ngliche Bedeutung eines Wortes nicht mehr bekannt; die Aussage ist folglich w&ouml;rtlich nicht mehr  zu verstehen.<br \/>\n<BR><P><br \/>\n<b>Was man mit Nummern machen kann<\/B><br \/>\n<BR><br \/>\nEin Beispiel f&uuml;r einen recht schillernden Gebrauch ist das<br \/>\nschlichte Wort Nummer. &#8220;Die Aufgabe war f&uuml;r ihn eine Nummer zu gro&szlig;&#8221;, hei&szlig;t es etwa, vielleicht in Ableitung aus<br \/>\ndem Bekleidungsbereich.<br \/>\n<BR><P><br \/>\nEin Kompliment war, als es k&uuml;rzlich in einem Sportbericht hie&szlig;: &#8220;Die Russen sind eine<br \/>\nNummer f&uuml;r sich.&#8221; Eine Zeitschrift wusste unl&auml;ngst ganz genau: &#8220;Auch auf dem Couchtisch l&auml;sst sich eine Nummer<br \/>\nschieben.&#8221;<br \/>\n<BR><P><br \/>\nDiese Art von Nummer ist sprachlich seit etwa 150 Jahren gel&auml;ufig. Sie d&uuml;rfte ihren Ursprung in der<br \/>\nZ&auml;hlweise in der Bordellwelt haben.<br \/>\n<BR><P><br \/>\n<b>Von Hunden und Menschen<\/b><br \/>\n<BR><br \/>\n&#8220;Wo der Hund begraben liegt&#8221; ist ein weiteres<br \/>\nBeispiel f&uuml;r ein schiefes Bild. Diese Redewendung hat nichts mit dem Vierbeiner zu tun, sondern kommt vom mittelhochdeutschen<br \/>\n&#8220;Hunde&#8221;, das Beute, Raub, Schatz bedeutet.<BR><P><b>Vorsicht vor Verwechslungen<\/b><br \/>\n<BR><P><br \/>\n&#8220;Auf den Hund gekommen&#8221; waren Menschen<br \/>\nhingegen urspr&uuml;nglich dann, wenn sie das eingravierte Schutzsymbol des Hundes in der Getreide-Vorratskiste sehen konnten,<br \/>\nweil nichts mehr drinnen war. Die stehende Wendung f&uuml;r jemanden, der alles verloren hat, ist geblieben.<br \/>\n<BR><P><br \/>\n<b>Warum der Hund von Siurius kommt<\/b><br \/>\n<BR><br \/>\nNochmals anders gelagert ist es bei den Hundstagen. Die hei&szlig;-schw&uuml;len Tage von Ende<br \/>\nJuli bis Ende August sind nach dem hellsten aller Fixsterne genannt, dem Hundsstern oder Sirius, der zu dieser Zeit den Himmel<br \/>\nbeherrscht.<BR><P><b>Peinliches Strudeln<\/b><br \/>\n<BR><P><br \/>\nSo mancher &#8220;Phrasendrescher&#8221; ger&auml;t durch den eifrigen Gebrauch von<br \/>\nRedewendungen allerdings unfreiwillig ins Fettn&auml;pfchen.<br \/>\n<BR><P><br \/>\nDie sinnentleerten und h&auml;ufig verballhornten<br \/>\n(nach dem Buchdrucker Bal(l)horn) Redewendungen verf&uuml;hren n&auml;mlich h&auml;ufig zu Verdrehungen und Versprechern.<br \/>\n<BR><P><br \/>\n<b>Wo der Fettnapf zu Hause war<\/b><br \/>\n<BR><br \/>\nIns Fettn&auml;pfchen trat man &uuml;brigens ehemals in erzgebirgischen<br \/>\nBauernh&auml;usern, wo zwischen T&uuml;r und Ofen ein Fettn&auml;pfchen stand, mit dessen Inhalt die nassen Stiefel der<br \/>\nHeimkehrenden sogleich geschmiert wurden.<br \/>\n<BR><P><br \/>\nWer durch Unachtsamkeit das Fettn&auml;pfchen umkippte und so Fettflecken<br \/>\nauf dem Boden verursachte, zog sich den Unwillen der Hausfrau zu.<\/p>\n<p>&#8220;Mein Name ist Hase, ich verneine alle Generalfragen, ich wei&szlig; von nichts&#8221; war der Ausspruch eines Studenten namens<br \/>\nVictor Hase, der 1854 beschuldigt wurde, einem Kommilitonen, der einen anderen im Duell get&ouml;tet hatte, die Flucht nach<br \/>\nFrankreich erm&ouml;glicht zu haben.<\/p>\n<p>Seine Aussage vor dem Universit&auml;tsgericht wurde in abgespeckter Form bald<br \/>\nsprichw&ouml;rtlich.<\/p>\n<p><b>Literarische Vorbilder<\/b><br \/>\n<BR><br \/>\nAndere Redensarten sind der Literatur entlehnt. Das kleinliche<br \/>\n&#8220;Beckmessern&#8221; etwa geht zur&uuml;ck auf Richard Wagners Oper &#8220;Die Meistersinger von N&uuml;rnberg&#8221;.<BR><P>Sixtus Beckmesser<br \/>\nist eine Figur der Oper, die pedantisch alle Regelverst&ouml;&szlig;e beim Gesangswettbewerb notiert.<BR><P><b>Sag es mit<br \/>\nShakespeare<\/b><\/p>\n<p>Das Sprichwort: Morgenluft wittern &#8211; also &#8220;eine Chance sehen&#8221; &#8211; leitet sich von Shakespeares &#8220;Hamlet&#8221; (I, 5) ab,<br \/>\nwo der dem Sohn als Geist erschienene Vater ausruft: &#8220;Doch still, mich d&uuml;nkt, ich wittre Morgenluft.&#8221;<\/p>\n<p>Bei Shakespeare ist<br \/>\ndieser Ausruf w&ouml;rtlich zu verstehen, da der Geist bei Tagesanbruch wieder verschwinden muss.<\/p>\n<p><b>Der springende Punkt<\/B><br \/>\n<BR><br \/>\nDer griechische Philosoph Aristoteles spricht davon, dass sich im Wei&szlig;en des Eies das Herz des werdenden<br \/>\nVogels &#8220;als ein Blutfleck&#8221; anzeige; dieses Zeichen h&uuml;pfe und springe.<\/p>\n<p>In einer &Uuml;bersetzung wurde das Ganze dann<br \/>\nmit &#8220;quod punctum salit&#8221; als &#8220;springender Punkt&#8221; wiedergegeben. Daraus wurde der noch heute sehr gel&auml;ufige &#8220;springende Punkt&#8221;.<\/p>\n<p><b>Des Pudels Kern<\/b><BR><br \/>\nJede Menge stehender Redewendungen stammen aus der Feder Johann Wolfgang Goethes, insbesondere<br \/>\naus dem &#8220;Faust&#8221;: vom sprichw&ouml;rtlich gewordenen &#8220;Pudels Kern&#8221; &uuml;ber &#8220;die Erde hat mich wieder&#8221;, &#8220;es irrt der Mensch, solang<br \/>\ner strebt&#8221; bis zu &#8220;Heinrich, mir graut&#8217;s vor dir&#8221;.<\/p>\n<p><b>Woher die falsche Ente kommt<\/b><BR><br \/>\nDer Ausdruck &#8220;Zeitungsente&#8221; als<br \/>\nSynonym f&uuml;r eine Falschmeldung kommt von einer englischen Abk&uuml;rzung, die f&uuml;r nicht best&auml;tigte Berichte an Stelle<br \/>\neines Agenturvermerks benutzt wurde.<\/p>\n<p>&#8220;N.T.&#8221; bedeutet eigentlich &#8220;not testified&#8221;, spricht sich aber im Deutschen &auml;hnlich<br \/>\nwie &#8220;Ente&#8221;.<\/p>\n<p><b>Links:<\/b><br \/>\n<br \/>\n<a href=http:\/\/www.prilchen.de\/Info_allgemein\/phraseologie.htm target=_top>Redensarten-Sammlung<\/a><br \/>\n<a href=http:\/\/www.operone.de\/spruch\/spruchinh.htm target=_top>Sprichwort-Datenbank<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo die Sprichw\u00f6rter herkommen. 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