{"id":83,"date":"2002-04-20T14:54:05","date_gmt":"2002-04-20T13:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kurios.at\/storys\/83"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"The-Painstation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kurios.at\/storys\/83\/The-Painstation\/","title":{"rendered":"The Painstation"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"storys\"><CENTER>The Painstation<\/h1>\n<p><\/center><font class=\"storys\"><br \/>\n<br \/>\n(<a href=\"http:\/\/www.derstandard.at\" target=\"_blank\">derstandard.at<\/a>, 20. Apr 2002) Blank poliert steht sie da und wartet auf ihre Opfer. Die Painstation ist die gemeinste Computerkonsole der Welt. Volker Morawe (31) und Tilman Reiff (30), zwei Studenten der K&ouml;lner Kunsthochschule f&uuml;r Medien, haben ein Videospiel entwickelt, das die Kontrahenten mit k&ouml;rperlichen Strafen z&uuml;chtigt. Auf den ersten Blick sieht der t&uuml;ckische Automat aus wie ein gut gepflegter Elektroherd, in dessen Oberfl&auml;che ein Computermonitor eingepflanzt wurde. Doch das Innenleben der Painstation birgt Qualen und Leiden.<\/p>\n<p><b>&#8220;Pong&#8221; revisted<\/b><\/p>\n<p>Die Aufgabe, die es zu erf&uuml;llen gilt, entstammt eigentlich aus der Kreidezeit der Computerspiele: Zwei Spieler, die sich wie beim Tischfu\u00dfball gegen&uuml;ber stehen, m&uuml;ssen mit einem Drehknopf ein Racket navigieren und sich einen Ball zuzuspielen. Das erinnert an Pong, den Spielklassiker aus den 70ern; primitives Balkentennis, Telesport f&uuml;r sonnige Gem&uuml;ter. Nicht ganz so niedlich sind die Sanktionen. Wenn das Racket den Ball verfehlt, verabreicht die Maschine der linken Hand Peitschenschl&auml;ge, Stromst&ouml;\u00dfe oder Hitzeschocks. Bis einer der Duellanten aufgibt.<\/p>\n<p><b>&#8220;Gute Freunde ganz gemein&#8221;<\/b><\/p>\n<p>Das klingt grausamer als es ist, tats&auml;chlich entspricht die Schmerzdosis vielleicht einer Partie Folter-Maumau. Die Grundidee dieses perfiden Kinder-Kartenspiels hat die Medienk&uuml;nstler zum Bau der Painstation inspiriert. &#8220;Uns hat fasziniert, dass gute Freunde pl&ouml;tzlich ganz gemein werden k&ouml;nnen.&#8221; Bei der Painstation l&ouml;st ein zentrales Bauteil, die Pain-Execution-Unit (PEU), diese Gemeinheiten aus. Angetrieben durch einen Elektromotor pr&uuml;gelt dann eine Mini-Peitsche auf den Handr&uuml;cken ein. Oder ein umgebauter Scherzartikel jagt Stromst&ouml;\u00dfe durch die Fingerspitzen. Am fiesesten ist die Hitze, die von einer Infrarotlampe ausgeht. So wird das Metallgitter, auf dem die Handfl&auml;che liegt, immer hei\u00dfer &#8211; wie ein Raclette-Ofen.<\/p>\n<p><b>Polarisierung vorprogrammiert<\/b><\/p>\n<p>Solcherlei Z&uuml;chtigungen polarisieren nat&uuml;rlich. Im Internet haben sich Debatten entz&uuml;ndet, was von dem Foltertisch zu halten sei. Manche wollen den Automaten am liebsten verschrotten lassen. &#8220;Die finden das Spiel total krank und glauben, das sei ein Spiegelbild unserer verkorksten Gesellschaft&#8221;, sagt Morawe. Man k&ouml;nnte die beiden Erfinder nun als Sympathisanten bizarrer Leidenschaften charakterisieren, die einen Fetisch f&uuml;r SM-Fans entwickelt haben. &#8220;Auf diese Szene haben wir aber gar keinen Bock.&#8221; Viel eher sind Reiff und Morawe zwei kreative T&uuml;ftler, die in Computerspielkreisen eine Diskussion entfacht haben: Wie k&ouml;nnte sich das Genre konzeptionell weiter entwickeln?<\/p>\n<p><b>&#8220;Du h&auml;ngst auf der Couch, glotzt und ballerst&#8221;<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Es ist ein Mangel, dass Videospiele die Spieler &uuml;berhaupt nicht physisch involvieren&#8221;, sagt Reiff. &#8220;Du h&auml;ngst auf der Couch, glotzt und ballerst.&#8221; Er sieht die Painstation deshalb als Schnittstelle zwischen der virtuellen Welt und der realen. Doch ist es wirklich ein menschliches Urbed&uuml;rfnis, sich von einer Peitsche den Handr&uuml;cken verdreschen zu lassen? Offensichtlich liegt der Reiz der Painstation darin, die Spieler in die Grenzbezirke des eigenen Schmerzempfindens zu f&uuml;hren. Es geht um Adrenalin-Kicks und Durchhalteverm&ouml;gen, um Schadenfreude und den archaischen Drang, sich im Zweikampf zu messen. &#8220;Gewinnen bereitet unter Schmerzen besonderen Spa\u00df, weil der Einsatz h&ouml;her ist&#8221;, sagt Reiff. Au\u00dferdem bedient die Painstation Voyeure. Wie Schl&auml;gereien in Dorfdiscos oder elektrische Rodeopferde bei Westernshows.<\/p>\n<p>F&uuml;r die beiden Erfinder ist die Painstation prim&auml;r ein Kunstobjekt. Ob der T\u00dcV den Apparat mit Wonne begutachten w&uuml;rde, ist eine andere Frage. Ein Automatenhersteller aus England hatte per eMail sein Interesse bekundet, dann aber abgewunken, aus Gr&uuml;nden ungekl&auml;rter Hygienefragen: Die Peitsche muss nach jedem Spiel desinfiziert werden. Solche Probleme halten die beiden davon ab, die Konsole offensiv zu vermarkten.<\/p>\n<p><b>Medien-Hype<\/b><\/p>\n<p>In den USA hat sich trotzdem ein kleiner Medien-Hype um die Painstation entwickelt. Ein Fernseh-Journalist aus New York reiste in diesen Tagen nach K&ouml;ln, um einen Beitrag zu drehen. Und als das ber&uuml;hmte Internet-Magazin Wired die Painstation auf seiner Webseite vorstellte (&#8220;No Pain, no Game&#8221;), wurde die Homepage (<a href=\"http:\/\/www.painstation.de\/\" target=\"_blank\">painstation.de<\/A>) binnen zwei Tagen 30.000 Mal angeklickt. Gut f&uuml;r die Publicity, schlecht f&uuml;r den Geldbeutel &#8211; Reiff und Morawe mussten die Seite vom Netz nehmen: &#8220;Wir hatten zu viel Datenverkehr, das wurde uns zu teuer.&#8221; Anmerkung der Redaktion: Allerdings ist die Painstation NEU mittlerweile schon wieder <a href=\"http:\/\/www.khm.de\/~morawe\/painstation\/painstation_ger.html\" target=\"_blank\">online<\/A>.(Markus Hofmann\/ DER STANDARD, Album, Printausgabe vom 20.4.2002)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Painstation (derstandard.at, 20. Apr 2002) Blank poliert steht sie da und wartet auf ihre Opfer. Die Painstation ist die gemeinste Computerkonsole der Welt. Volker Morawe (31) und Tilman Reiff (30), zwei Studenten der K&ouml;lner Kunsthochschule f&uuml;r Medien, haben ein Videospiel entwickelt, das die Kontrahenten mit k&ouml;rperlichen Strafen z&uuml;chtigt. Auf den ersten Blick sieht der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-83","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kurios.at\/storys\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}